Walcker - Orgel (1906), Paysandú/Uruguay
Erbauer
Walcker & Cie., Ludwigsburg, op. 1275
Baujahr
1906
Zustand vor der Restaurierung
Die Orgel wurde bis in die 1950er oder 1960 Jahre gepflegt, unter anderem durch einen Pater des zugehörigen Klosters. Später behalf man sich damit, bei Störungen die betreffende Funktion stillzulegen. So wurde z. B. die "Organola“ (pneumatische Selbstspielelnrichtung) ausgebaut, auf der Empore gelagert und schließlich entwendet. Bei Heulern zerschnitt man die betreffenden Bleirohre der Pneumatik. Vor der Restaurierung war die Orgel praktisch unspielbar. Nur noch einzelne Töne sprachen matt an.
Restaurierung
Im Wesentlichen wurden folgende Arbeiten ausgeführt:
- Eichenholzgehäuse: statische Sicherung, schreinerische Instandsetzung, Ersatz fehlender Schnitzereien, Reinigung, Öl- und Wachspolitur.
- Windanlage: Einbau eines neuen Schleudergebläses. Neue Belederung und Tapezierung der beiden Magazinbälge und der Kanalanlage durch Sergio Silvestri Budelli, Organero (Orgelbauer) aus Montevideo.
- Spielanlage: Reinigung, Politur, Ersatz fehlender Porzellanplättchen, Ersatz des fehlenden Rolladen-Verschlusses.
- Pneumatik: Erneuerung sämtlicher Pneumatikbälgchen mit Ausnahme der Pedaltaschen und der Registerventile, die neu beledert wurden. Abdichtung der Bleirohre (bei kleinen Lecks mit übergeschobenen Hülsen, bei größeren Schäden Ersatz durch neue Bleirohre).
- Windladen: Abdichtung von Rissen, Richten verzogener Leisten.
- Metall- und Zinkpfeifen: Richten und Rundieren, Löten aufgerissener Nähte. Rekonstruktion der 11 fehlenden Mixturpfeifen. Behandlung des Zinkprospektes mit Chromeffektspray.
- Holzpfeifen: Leimen aufgerissener Fugen.
Erhaltungszustand
- 1906: komplettes Orgelwerk, außer:
- 1997: Pneumatikbälgchen, Bleirohre (teilweise), Balgleder, 11 Mixturpfeifen, elektrisches Schleudergebläse, einige Porzellanschildchen, Spieltischdeckel.
Historischer Wert und Besonderheiten
- Pneumatische Orgel des frühen 20. Jahrhunderts, die in Europa kaum ein Gegenstück in vergleichbarer Originalität (Disposition und technische Anlage) hat.
- Beispielhafte Abstimmung der Mensuren und der Intonation mit der Akustik. Tragfähigkeit und subtilste Klangdifferenzierung der Einzelregister. Mächtiges, keineswegs dickes Plenum.
- Die Orgel bildet mit der sonstigen historischen Ausstattung der Kirche ein original erhaltenes Ensemble.
- Abstromtaschen der Pedallade als Keilbälgchen mit flexibel auf der Oberplatte angebrachten Tellerventilen.
- Mechanische Relais zwischen den Pedaltasten und der pneumatischen Pedaltraktur: Die Tasten bedienen kleine Einton-Schleifen, die den Pneumatikwind einschließen bzw. entweichen lassen.
- Kurios zusammengesetzte Hauptwerks-Mixtur mit Pfeifen aus vier verschiedenen Mensurreihen.
- Eichenholzgehäuse mit aufwendigen Schnitzereien.


