Stumm - Orgel (1773), Hillscheid
Erbauer
Gebrüder Stumm, Rhaunen-Sulzbach (Hauptwerk)
Friedrich Voigt, Igstadt
(Positiv)
Caspar Zumsande, Höhr (Pedal)
Baujahr
1773 - 1843 - 1862
Windladen- und Traktursystem
mechanische Schleifladen
1773: Erbauung durch Gebr. Stumm aus Rhaunen-Sulzbach. Ein Manual mit 13 Registern, Pedal mit 2 Registern.
1821 und 1828: Reparaturen durch Johann Arndt aus Nomborn.
1831: Verlegung der beiden Spanbälge von der oberen Empore auf den Dachboden.
1834; Reparatur durch Philipp Gottlieb Heil aus Bad Ems.
1843: Erweiterung um ein Positiv mit sieben Registern durch Friedrich Voigt aus Igstadt.
1862: Umbau und Erweiterung (neue Pedallade mit drei Registern) durch Caspar Zumsande aus Höhr.
1891: Verschiebung der Orgel um ca. 1,20 nach hinten und Bau eines neuen Magazinbalges mit zwei Schöpfern durch Gerhardt aus Boppard.
1917: Ablieferung der Prospektpfeifen.
1922: Ersatz der Prospektpfeifen in Zink durch Johannes Klais aus Bonn.
1947: Instandsetzung durch Gerhardt aus Boppard.
1975: Übergang der Kirche in das Eigentum der Zivilgemeinde, Umbau zur Friedhofskapelle.
1983: Teilrestaurierung durch eine baden-württembergische Orgelbauwerkstatt.
Restaurierung 1993-95
Restaurierungsziel: Vollständige Wiederherstellung der Stummschen Disposition im Hauptwerk durch Rekonstruktion der fehlenden Register. Beibehaltung der Erweiterungen von Voigt und Zumsande sowie des Magazinbalges von Gerhardt. Im wesentlichen wurden folgende Arbeiten ausgeführt:
- Gehäuse: Schreinerische Instandsetzung. Wiederherstellung der Farbgebung von 1773 durch Ablaugen der Gehäuseteile aus Eichenholz und Behandlung mit Bienenwachs. Restaurierung der Ornamente und Aufbringen einer dem Originalzustand entsprechenden Überfassung (Porzellanimitation, "Hadamarer Barock") durch Restaurator Hermann Petersohn aus Göppingen.
- Windanlage: Einbau eines neuen Schleudergebläses. Neue Belederung und Tapezierung des Magazinbalges und der beiden Schöpfer sowie der Windkanäle.
- Spielanlage: Rekonstruktion der Klaviaturwangen nach Stumm, Rückführung der Kniefüllung auf den Zustand von 1773, Kopie des desolaten Notenpultes von 1862 in Eichenholz, Reparatur der Manubrien und Ersatz fehlender Porzellanplättchen.
- Mechanik: Reparatur, Justierung. Stillegung der Manualkoppel von 1843, die seit dem Umbau von 1862 bauartbedingt nicht mehr funktionieren kann.
- Windladen: Ausspänen von Rissen, Verleimen von lockeren Kanzellenspunden, Ausgießen der Kanzellen mit Warmleim, reversible Einfügung von Kerntuchringen zur Schleifendichtung. Einfügen einer Bohrung für die Vox humana 8' in die Hauptwerks-Zusatzlade von Zumsande für den Ton Cis.
- Pfeifen: Sortieren nach den Stummschen Gravuren und Rückführung jeder einzelnen Pfeife auf ihren ursprünglichen Standort. Rekonstruktion der fehlenden Einzelpfeifen nach den benachbarten Originalen. Rekonstruktion der fehlenden Register nach anderen Stumm-Orgeln. Reparatur aller Pfeifen von Stumm, Voigt und Zumsande.
- Stimmtonhöhe: gs' = 435 Hz bei 13 °C (Messung am 2. Mai 1995, 11.00 Uhr).
- Temperatur: gleichstufig (wie spätestens seit 1862).
- Deponierung der nicht wiederverwendeten Teile auf dem Dachboden der Kirche zur Dokumentation.
Historischer Wert, Besonderheiten
- In drei Bauabschnitten historisch gewachsene Disposition. Synthese von Spätbarock und Romantik.
- Einzige Orgel, die Material von Caspar Zumsande enthält (Pedalwindlade, Manual-Erweiterungslade für den Ton Cis, Violon 16', weitere Einzelpfeifen, fast alle Teile der Mechanik).
Literatur
Festschrift zur Weihe der restaurierten Stumm-Voigt-Zumsande-Orgel in der ehemaligen Pfarrkirche St. Josef in Hillscheid am 4. Juni 1995, hrsg. von der katholischen Kirchengemeinde St. Josef, Hillscheid 1995, 80 Seiten.

