Sauer - Orgel, Loja/Ecuador
Erbauer
Wilhelm Sauer, Frankfurt an der Oder
Windladen- und Traktursystem
mechanische Kegelladen
Geschichte
Eines der beiden zu unbekannter Zeit entwendeten Schilder im Spieltisch besagte laut mündlicher Überlieferung, dass die Orgel unter Bischof Mons. José Maria y Vidiella aus Europa importiert wurde. Auf der Unterseite des Subbaß-
Stockes befindet sich eine Inschrift:
Valentin Sigmund Oscar Legner Richard Legner// letzt beide weilen in Amerika
Die Orgel spielte zuletzt in den 1950er Jahren. Bis dahin hatten ortsansässige Handwerker die Bälge provisorisch geflickt. Danach wurde das Instrument dem Verfall preisgegeben. Es wurden Pfeifen gestohlen, um damit Auspuffanlagen von Mopeds zu reparieren. Die Mechanik wurde von Vandalen verwüstet.
Restaurierung 1994
- Gehäuse: Rekonstruktion nach dem Gehäuse der Sauer-Orgel in Oberflörsheim/Rheinhessen (opus 528), Ausführung durch Schreiner Landy aus Loja nach Plänen der Gebr. Oberlinger. Die Orgel hatte bis 1994 anstelle eines Gehäuses einen primitiven Bretterverschlag um das I. Hauptwerk. Beim Transport 1892 könnte das ursprünglich vorgesehene Gehäuse verloren gegangen sein, oder Sauer könnte den Gehäusebau vor Ort vorgesehen haben, was an den damaligen handwerklichen Möglichkeiten in Loja scheiterte.
- Windanlage: Einbau eines Schleudergebläses. Neue Belederung und Tapezierung der beiden Magazinbälge und der Kanalanlage.
- Spieltisch: Reinigung, Politur. Restaurierung der völlig ausgespielten Manualtasten in Windesheim.
- Mechanik: Reparatur, Ersatz fehlender Teile nach originalen Vorbildern.
- Windladen: Abdichtung von Rissen, Reinigung.
- Zinn/Blei- und Zinkpfeifen: Richten und Rundieren, Löten aufgerissener Nähte, Richten abgesunkener Kerne. Rekonstruktion der fehlenden Pfeifen nach dem Vorbild der benachbarten Originale.
- Holzpfeifen: Leimen aufgerissener Fugen.
- Sonstiges: Erweiterung der Disposition um die Pedalregister Principalbass 8' (Zinnpfeifen im neuen Prospekt) und Violoncello 8' (innenlabiierte Holzpfeifen) auf einer neuen, vierteiligen Kegellade in Sauerscher Bauart.
Erhaltungszustand
- 1892: Komplettes Orgelwerk, außer:
- 1994: Rekonstruierte Pfeifen (s. u. Disposition), rekonstruierte Mechanikteile, zwei Pedalregister (Dispositionserweiterung), Schleudergebläse, neues Gehäuse.
Historischer Wert, Besonderheiten
- Eine der wenigen erhaltenen Sauer-Orgeln ohne Eingriffe in die Disposition und Intonation.
- Bis auf einzelne fehlende Pfeifen vollständig erhaltener Chor aus drei einschlagenden Zungenregistern.
- Kanaltremulant (Anachronismus in einer Kegelladen-Orgel).
- Hochliegende Hauptwerks-Mixtur.
- Transmission der tiefen Oktaven zweier 8'-Register (ungewöhnliche Konstruktion bei Kegelladen).
- Transportgerechte Zerlegbarkeit der Windladen. Beide Manuale haben eine Baß- und Diskantlade (Trennung zwischen a° und b°). Jede dieser vier Windladen ist längs zwischen den beiden mittleren Kanzellen geteilt. So war der Transport auf "Jünglingen und Mauleseln" (mündliche Überlieferung) über die westliche Andenkordillere möglich.




