Keller - Orgel (1875), Usingen-Kransberg
Erbauer
Gebr. Keller, Limburg an der Lahn
Baujahr
1876
Windladen- und Traktursystem
Hängeventilladen mit mechanischer Spieltraktur und pneumatischer Registertraktur.
Geschichte
1917/18: Ablieferung der Prospektpfeifen, zu unbekannter Zeit Ersalz in Zink.
1960er Jahre: Instandsetzung durch einen unbekannten Orgelbauer.
ca. 1970: Stilllegung. Anschaffung eines Elektroniums, Aufstellung der Lautsprecher auf dem Stimmgang.
Restaurierung 1995
Alle Arbeiten mit Ausnahme der Metallpfelfenrestaurierung wurden vor Ort ausgeführt:
Windanlage Instandsetzung des Magazinbalges. Verlegung eines Ansaugkanales vom Kirchenraum zum Motor im Turmraum.
Spieltisch: Neubelegung der ausgespielten Manualtasten mit Elfenbeinplättchen. Neubelegung der Pedalklaviatur mit Eichenholz.
Mechanik (Spieltraktur): Ersatz zerbrochener Abstrakten. Komplette Neuregulierung, Reduzierung des Manualtastenganges auf das mindestmögliche Maß. Ersatz erlahmter Rückholfedem.
Pneumatik (Registertraktur): Abdichtung der Pneumatikrohre. Ersatz aller Registerbälgchen (Kopien der Originale).
Windladen: Reinigung.
Metallpfeifen: Rekonstruktion des Prospektes. Ersatz von Fremdpfeifen in der Mixtur durch Rekonstruktionen. Ausbeulen der originalen Pfeifen.
Holzpfeifen: Holzwurmbegasung. Leimen von Rissen, teilweise Neubelederung der Spunddeckel.
Historischer Wert, Besonderheiten
Sehr seltenes Windladensystem: Hängeventiliaden ähnlich wie die "Hundecksche Lade" (vgl. Heimann Fischer: 100 Jahre Bund deutscher Orgelbaumeister 1891-1991, Orgelbau-Fachverlag Rensch, Lauffen a. N. 1991, Schnittzeichnung S. 113), jedoch mit Enzelkanzellen, die mit kleinen Abständen (ca. 1 cm bei den Manualen, ca.15 cm Pedal) nebeneinander liegen. Wechselnde Registeraufstellung für beide Manuale ähnlich wie bei einer durchschobenen Lade.
Beachtliche Funktionssicherheit und Haltbarkeit der Windladen. 1995 war im Wesentlichen nur eine Reinigung der Windladen nötig. Eine Stichprobe durch Öffnung einer Kanzelle ergab, dass die Spielventile völlig intakt sind.
Sehr frühe Anwendung der Pneumatik, hier nur für die
Registertraktur. Offensichtlich eine Eigenentwicklung der Gebr. Keller.
Keine
Bleirohre, sondern daumendicke Pappdeckelrohre.


