Dreymann - Orgel (1833), Astheim
Geschichte 1)
- Entscheidung zum Bau einer einmanualigen Orgel mit zwölf Registern durch die Gemeinde Astheim im Juni 1832
- Nach Anlieferung von Mainz, Aufbau von August bis Oktober 1833
- Entfernung der Dreymannschen Balganlage und Einbau eines Elektrischen Gebläses durch Körfer (Gau – Algesheim) im Jahre 1930
- Reparatur der Orgel durch Körfer im Jahre 1935
- Zinkpfeifeneinbau in den Prospekt durch Körfer 1936
- In den Jahren 1973 und 1974 Umbau durch Paul Ott, Göttingen, wobei im wesentlichen neue Pedalregister und ein neues Krummhorn eingebaut sowie die Zinkpfeifen ersetzt, die Mixturrepetition geändert und die Pfeifen umintoniert wurden.
Anmerkung
Während die technische Funktionalität der Orgel auch viele Jahre nach den Umbauten von 1973/1974 nicht zu beanstanden war, hatte sie dadurch doch den für Dreymann - Orgeln typischen Charakter – vergleichbar mit im Originalzustand besser erhaltenen Dreymann – Orgeln – weitgehend verloren.
Im Zuge der nunmehr durchgeführten Arbeiten lag der Fokus insbesondere auf der Rekonstruktion der Pfeifen unter denkmalpflegerischen Aspekten. Alle rekonstruierten Teile sind im Rahmen einer späteren denkmalpflegerischen Restaurierung weiter verwendbar.
Ausgeführte Arbeiten
Zunächst Ausbau und fachgerechte Verpackung und Einlagerung der Pfeifen in unserem Betrieb.
Arbeiten am Pfeifenwerk
- Reinigung aller Pfeifen sowie Beseitigung der Beschädigungen einschl. Verlöten der ausgerissenen Stimmvorrichtungen und Justierung der Mündungen
- Entfernung der nicht originalen Intonationshilfen
- Rekonstruierung des Prospekts auf der Grundlage des Originals der Orgel der Wallfahrtskirche St. Maria in Rengersbrunn unter Einschluss der Versetzung der Raster in die originale Höhe
- Rekonstruierung des Cumhorn 8’ nach dem Vorbild des Originalregisters in Frei-Laubersheim
- Reinigung und Überarbeitung der Holzpfeifen (einschl. z. B. Verleimung loser Spundgriffe und Abdichtung von Pfeifenrissen)
- Restaurierung und Einbau von zwei originalen Holzregistern ( Subass 16' und Octavbass 8' aus der Giessener St. Bonifaciuskirche)
- Rekonstruktion der Posaune 16' nach dem Vorbild “Lindenfels“.
Arbeiten am Gehäuse
- Entfernung sämtlicher Installationen und Verlegung an anderer Stelle
- Sanierung verwurmter und beschädigter Holzteile
- Ersetzen von Sperrholzfüllungen durch Massivholzfüllungen
- Fertigung eines neuen Hintergehäuses aus massivem Holz auf Rahmen und Füllung
- Rekonstruktion der hinteren Gehäusetüren sowie Befestigung der Ornamente
Arbeiten an den Windladen
- Reinigung und Überarbeitung der Laden
- Aufbürstung der Polsterung der Ventile einschl. Einstellung der Federn
- Prüfung und Einstellung der Schleifen sowie Abdichtung der Ventilkastenspunde
- Rekonstruktion der Bohrungen der Pfeifenstöcke der Mixtur (ermöglicht durch Einbau des originalgetreuen Crumhorn 8')
- Rekonstruierung des Pfeifenstocks für Posaune 16' nach dem Vorbild der ev. Kirche in Lindenfels
- Anpassung der Pfeifenstöcke der übrigen Pedalregister an die Maße der originalen Pedalregister der St. Bonifacius – Kirche in Gießen einschl. entsprechender Rekonstruktion der Raster
Arbeiten am Spieltisch
- Restaurierung der Klaviaturen
- Reinigung der Manubrien und Fertigung neuer Beschriftungen in originaler Orthographie (handgeschrieben auf Pergament)
- Rekonstruktion des Notenpultes
Arbeiten an Traktur und Koppelanlage
- Reinigung und Justierung aller Teile
Arbeiten an der Windlade
Überprüfung der Windanlage und Beseitigung von Undichtigkeiten.
Veränderung des Winddrucks nach entsprechenden Versuchen mit den restaurierten Pfeifen.
Wiedereinbau, Intonation und Stimmung
Alle Pfeifen wurden nachintoniert, wobei durch die Entfernung der nicht originalen Intonationshilfen einige Register erhebliche Aufmerksamkeit erforderten. Durch die Modifikation des Winddrucks wurde der Klang der Orgel frischer, charakteristischer und lebendig. Die rekonstruierten Zungenregister geben Kraft und Farbe; die notwendige Fülle wird durch die 8’ Lage, die im Manual dreifach besetzt ist, erreicht.
Die Stimmtonhöhe wurde nach entsprechenden Versuchen auf 440 Hz bei 15°C festgelegt. Die Temperierung ist gleichstufig.
1) Angaben aus Achim Seip „Die Orgelbauwerkstatt Dreymann in Mainz“ Lauffen am Neckar 1993, S. 34 f







