Janke-Orgel: Es war höchste Eisenbahn.

Bramscher Nachrichten / pp Bramsche
Ausgerechnet in ihrem Jubiläumsjahr holen die schlechten räumlichen Bedingungen die große Orgel in der Martinskirche ein, die Rudolf Janke 1990 der Bramscher Kirchengemeinde in einem feierlichen Gottesdienst am Michaelistag übergeben hatte. „Es war höchste Eisenbahn“, meinte Küster Johannes Wasmuth, als nach Pfingsten das Kircheninstrument vorübergehend aus dem Verkehr gezogen wurde.
In der Tat hatte sich in den letzten Jahren nach und nach hinter der glänzenden Fassade des historischwertvollen Reinkingh-Projektes aus dem 17. Jahrhundert Unheil angebahnt: Während der regelmäßigen Sichtkontrollen war Wasmuth und Kreiskantorin Eva Gronemann aufgefallen, dass sich an zahlreichen Holzpfeifen inzwischen Stockflecken breitgemacht hatten. Partiell sei dabei schon immer an einigen Stellen Pilzbefall festgestellt und grob beseitigt worden.
Vor allem im Bereich der Holzpfeifen hatte im Laufe der Zeit aber ein fruchtbarer Nährboden aus Staub und Luftfeuchtigkeit das Herausbilden von inzwischen flächigen Schimmelpilzen begünstigt. Offensichtlich hat zu geringer Luftaustausch auf der Empore dazu geführt, dass sich bei einer Luftfeuchtigkeit von bis zu 80 Prozent Kondenswasser auf den Holzpfeifen und dem Gerüst niedergeschlagen hat.
„Normal sind bis zu 60 Prozent Luftfeuchtigkeit“, erläuterte Wasmuth. Vor allem wiederkehrende, gravierende Temperaturunterschiede zwischen einer leeren Kirche mit etwa 16 Grad und einem gut besuchten Gottesdienst seien neben jahreszeitlichen Schwankungen das Grundübel. Erstrebenswert sei eine konstante Raumtemperatur. „Aber das ist in einer solchen Kirche Wunschdenken“, weiß Wasmuth, der dennoch hofft, mit „Luken“ im Orgelboden die fehlende Luftzirkulation ausgleichen zu können. Denn der Küster steht nach eigenen Angaben unter einem enormen Kostendruck und kann den hohen Innenraum nicht auf einer gleichbleibenden Temperatur halten. Zudem erwiesen sich die vor Jahren eingesetzten Fenster als Handicap: „Die sind dicht und verhindern den über Jahrhunderte üblichen, sozusagen natürlichen Luftaustausch“, erinnerte sich Wasmuth.
Zu „intonatorischen Veränderungen“ sei es allerdings noch nicht gekommen. „Zu hören war beim Orgelspiel so gut wie nichts“, betonte der Küster, der selbst ein gelernter Orgelbauer ist und alles mit Erfolg daransetzte, keine weitere Zeit tatenlos verstreichen zu lassen, sondern „mit vertretbarem Aufwand“ ein „Schmuckstück“ der Martinskirche von Grund auf zu überholen.
Nachdem die zuständigen Gremien grünes Licht gegeben hatten, konnten Georg Schlötmann und Johann Martschenko vor wenigen Wochen mit der Arbeit beginnen. Zunächst nahmen die beiden Spezialisten mit Unterstützung des Küsters die Janke-Orgel systematisch auseinander. „Wir haben alle 1900 Pfeifen ausgebaut“, berichteten die Orgelbauer, die sich hauptsächlich um den Teil zu kümmern hatten, der nicht überdacht ist.
Staub und Schimmelpilz wurden abgesaugt, nach der Reinigung die Oberfläche mit einer Speziallösung behandelt. Die Empore mutete an wie ein Ersatzteillager. Ließen es die Witterungsbedingungen zu, nahmen die Orgelbauer die Einzelteile auch mit nach draußen, um die Behandlung fortzusetzen.
Seit Freitag nun steht die Rudolf-Janke-Orgel generalüberholt und wie neu der Kreiskantorin zur Verfügung – rechtzeitig zu Gemeindefest und nächstem „Orgelsommer“, der wieder an jedem Samstag in den Ferien für rund 30 Minuten nicht nur Freunde der Kirchenmusik mit „Musik der Stille“ in die Martinskirche einlädt.
pp Bramsche.
Anmerkung: Georg Schloetmann und Johann Martschenko sind Orgelbaumeister
b.z.w. Orgelbauer der Orgelbaugesellschaft Reichenstein mbH.
